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Fler über 187, Drogen, Panikattacken & Kraftsport
5. Mai 2026

Fler im BAKED-Interview mit Marvin Game: 187, Karriere, Drogen, Panikattacken und Kraftsport

8 Min. Lesezeit
Inhalt

Fler über 187, Drogen, Panikattacken & Kraftsport

Patrick Losensky – besser bekannt als Fler – ist seit zwei Jahrzehnten eine der polarisierendsten Figuren im deutschen Rap. Einer, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, was er erlebt, genommen und durchgekämpft hat. In seltenen offenen Momenten spricht er über seine Zeit bei 187 Strassenbande, über den Drogenkonsum der Szene, über Panikattacken, die ihn fast zerrissen hätten, und darüber, wie er sich mit Kraftsport aus einem tiefen Loch gezogen hat. Diese Geschichte ist kein Homestory-Schmonzes – sie ist ein Blick in die Mechanismen von Substanzkonsum, psychischer Gesundheit und Selbstregulation, die in der deutschen HipHop-Kultur selten so offen diskutiert werden.

Fler, 187 & die Kultur des Drogengebrauchs im deutschen Rap

Was 187 für eine Generation bedeutete

Die 187 Strassenbande aus Hamburg hat das Bild eines ganzen Rap-Jahrzehnts in Deutschland mitgeprägt. Neben Bonez MC, RAF Camora und Capital Bra etablierte sich das Kollektiv als Referenzpunkt für Authentizität – und für eine bestimmte Ästhetik des Lebens auf der Straße, zu der Drogenkonsum unhintertrennlich gehörte. Lean, Gras, Pillen – in Texten wie in der Realität. Fler, der schon vor der Hochzeit von 187 zum Establishment des deutschen Rap gehörte, bewegte sich in diesen Kreisen und bestätigt in Interviews, was viele ahnten: Substanzen waren kein reines Image-Konstrukt, sondern gelebter Alltag.

Der Hamburger Einfluss auf die Drogenkultur im deutschen HipHop ist dokumentiert und unbestreitbar. Wo Berliner Rapper wie Sido oder Xatar ihren eigenen Umgang mit illegalen Substanzen öffentlich verarbeiteten, blieb 187 konsequenter in der Nonchalance – Drogenreferenzen wurden nicht moralisiert, sondern einfach gelebt. Fler, der in diesen Gewässern schwamm, beschreibt seine Phase der engsten Verbindung zu Hamburger Rap-Strukturen als eine Zeit enormer kreativer Energie, aber auch massiver persönlicher Destabilisierung.

Cannabis im Kontext der Szene – mehr als Kulisse

Cannabis ist in der deutschen Rapszene so allgegenwärtig, dass kaum noch jemand darüber nachdenkt. Aber Fler macht einen Unterschied, den viele ignorieren: Es gibt einen Unterschied zwischen sozialem Gelegenheitskonsum und dem, was passiert, wenn man täglich mit hochwirksamen Sorten in Kontakt kommt, Stress und Traumata unverarbeitet bleiben – und das Gehirn irgendwann gegensteuert.

"Ich habe jahrelang Sachen reingekippt und gedacht, das macht nichts. Irgendwann macht der Körper dann sein eigenes Ding. Die Panikattacken kamen nicht aus dem Nichts."

Die Neurobiologie dahinter ist präzise erforscht: Hochdosiertes THC aktiviert massiv den CB1-Rezeptor im präfrontalen Kortex und in der Amygdala – dem Angstzentrum des Gehirns. Bei chronischem Konsum kommt es zu einer Downregulation dieser Rezeptoren. Das bedeutet: Man braucht mehr, um die gleiche Wirkung zu erzielen, und gleichzeitig verliert das endocannabinoide System seine natürliche Fähigkeit, Stress zu regulieren. Studien, etwa aus dem National Center for Biotechnology Information, belegen, dass regelmäßiger Hochdosis-THC-Konsum das Risiko für Angststörungen und Panikattacken signifikant erhöht – besonders bei genetischer Prädisposition und bei gleichzeitigem Stress durch Lebensumstände.

Wer über Sorten wie Ghost Train Haze mit THC-Gehalten über 25 % nachdenkt, sollte genau das im Kopf behalten: Potenz ist kein Statussymbol, sondern eine pharmakologische Variable.

Flers offene Abrechnung mit dem Drogenkonsum

In mehreren Podcast-Auftritten und Interviews hat Fler in den letzten Jahren einen Tonfall angeschlagen, der für ihn ungewöhnlich reflektiert wirkt. Er spricht nicht mit erhobenem Zeigefinger, aber er macht auch kein Geheimnis daraus, dass der Konsum von Opioid-haltigen Mixturen wie Lean, aber auch regelmäßiges Kiffen in Hochstress-Phasen seinen Tribut gefordert hat. Die Panikattacken, die er beschreibt, sind klinisch greifbar: plötzliche Herzrasen-Episoden, das Gefühl zu sterben, Derealisation – alles klassische Symptome, die aus der Kombination von chronischem Substanzkonsum, Schlafentzug und emotionalem Druck entstehen.

Das Thema Strafverfolgung und Drogenszene schwebt dabei immer im Hintergrund – nicht nur für Fler persönlich, sondern für ein ganzes Milieu, in dem der soziale Druck enorm ist und die Auswege selten diskutiert werden.

Panikattacken, Psyche & die Rolle von Cannabis als Medizin

Was Panikattacken neurobiologisch bedeuten

Eine Panikattacke ist keine Schwäche und kein Lifestyle-Problem. Sie ist eine unkontrollierte Aktivierung des sympathischen Nervensystems – der Körper geht in einen Überlebensmodus, der für eine echte Bedrohung vorgesehen wäre. Herzfrequenz steigt auf 120–180 Schläge pro Minute, Adrenalin flutet den Körper, die Lungen hyperventilieren. Das Gehirn interpretiert keine äußere Gefahr, sondern seine eigene dysregulierte Chemie als lebensbedrohlich.

Bei Fler, wie bei vielen Rappern seiner Generation, kam der Auslöser aus einer Gemengelage: jahrelanger Substanzkonsum, öffentlicher Druck, Konflikte innerhalb der Szene, finanzielle Achterbahnen, zerbrochene Beziehungen. Das ist kein Einzelfall – laut EMCDDA-Daten (Europäische Beobachtungsstelle für Drogen) haben bis zu 60 % der Menschen mit problematischem Drogenkonsum komorbide psychische Störungen, wobei Angststörungen die häufigste Begleiterscheinung sind.

Cannabis als Doppelschneidiges Schwert bei Angst

Hier liegt eine Ironie, die Fler indirekt selbst anspricht: Cannabis – das gleiche Mittel, das zur Destabilisierung beigetragen haben kann – wird von Tausenden Patienten in Deutschland mittlerweile gezielt zur Behandlung von Angststörungen eingesetzt. Der Unterschied liegt im Set, Setting und der Dosierung.

Während hochdosiertes THC die Amygdala überaktivieren kann, zeigen CBD-dominante Produkte und niedrig dosiertes THC in kontrollierten Settings anxiolytische Effekte über den 5-HT1A-Serotonin-Rezeptor. Niedrige Dosen von unter 7,5 mg THC wirken in Studien angstlösend; Dosen über 12,5 mg THC können genau das Gegenteil bewirken. Das ist keine Meinung – das ist Pharmakologie. Für Patienten mit Schlafstörungen und Angst gibt es inzwischen funktionierende Wege über Telemedizin und medizinisches Cannabis.

THC-Dosierung Wirkung auf Angst Rezeptor-Mechanismus
< 7,5 mg THC Anxiolytisch – angstlösend CB1-Modulation, 5-HT1A-Aktivierung
7,5 – 12,5 mg THC Neutral bis leicht anxiogen CB1-Überaktivierung in Amygdala beginnt
> 12,5 mg THC Anxiogen – Panikattacken möglich Massive CB1-Überaktivierung, Cortisol-Ausschüttung
CBD 20–40 mg (ohne THC) Anxiolytisch, kein High 5-HT1A, TRPV1, indirekter CB1-Agonismus

Der Weg raus: Warum Selbstmedikation scheitert

Fler ist kein Einzelfall. Viele Künstler kippen Substanzen drauf, wenn die Panikattacken kommen – weil es kurzfristig hilft. Das Problem: Benzos, Lean oder auch hohe THC-Dosen als Notfallmittel erzeugen Toleranz und senken die Angstschwelle langfristig weiter. Der Kreislauf schließt sich. Wer diesen Kreislauf durchbrechen will, braucht mehr als Willenskraft – er braucht neurobiologisches Verständnis und in vielen Fällen professionelle Begleitung.

Das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) regelt in Deutschland den Zugang zu medizinischem Cannabis – ein System, das für viele Menschen mit Angststörungen, PTBS und komorbiden Suchtmustern eine echte Alternative zur unkontrollierten Selbstmedikation darstellt. Anbieter wie CannaZen zeigen, wie legaler Zugang aussehen kann.

Kraftsport als Neurobiologisches Reset-Programm

Warum Fler auf Gewichte setzt – und was die Wissenschaft sagt

Die Transformation, die Fler in den letzten Jahren visuell vollzogen hat, ist nicht zu übersehen. Von einem sichtlich angeschlagenen Rapper zu einem disziplinierten Kraftsportler – der Körper als Projekt, als Kontrollinstrument in einer Zeit, in der vieles außer Kontrolle geriet. Das ist kein Zufall und keine Eitelkeit. Krafttraining ist neurobiologisch eines der mächtigsten Werkzeuge gegen Angststörungen und Suchtmuster, die es gibt.

Beim Widerstandstraining werden BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) und Endorphine freigesetzt, die direkt auf die Amygdala wirken und deren Überreaktivität dämpfen. Schon 3×45 Minuten intensives Krafttraining pro Woche senken Cortisol-Grundspiegel nachweislich um 15–25 % über mehrere Monate. Das endocannabinoide System profitiert ebenfalls: Sport erhöht die natürliche Produktion von Anandamid – dem körpereigenen "Bliss-Molekül", das an denselben CB1-Rezeptoren andockt wie THC, nur ohne die Risiken hochdosierten exogenen Konsums.

Die Disziplin des Bodybuildings als Gegengewicht zur Unordnung

Was Kraftsport für Menschen aus destruktiven Milieus leistet, ist oft unterschätzt: Er gibt Struktur. Progression. Messbare Ergebnisse. In einer Welt, in der Drogenkonsum und Szene-Dynamiken chaotisch und unkontrollierbar sein können, ist das Einhalten eines Trainingsplans – 4 Sätze Bankdrücken, Ruhepausen genau 90 Sekunden, progressiv mehr Gewicht – ein kognitives Gegenprogramm zur Impulsivität.

Fler als unfreiwilliges Vorbild – und was die Community daraus lernen kann

Fler würde sich wohl gegen das Label "Vorbild" wehren. Aber die Tatsache, dass er öffentlich über Panikattacken spricht, über die Folgen von Drogenkonsum, über den Weg zurück durch Sport – das hat in einer Szene, in der Schwäche mit Versagen gleichgesetzt wird, mehr Gewicht als jedes Selbsthilfebuch. Die deutsche HipHop-Community, die Cannabis-Community, die Menschen, die täglich zwischen Genuss und Abhängigkeit balancieren – sie alle können aus dieser Geschichte etwas mitnehmen.

Die 4000 Jahre Cannabis-Geschichte zeigen: Die Pflanze war nie das Problem. Das Problem ist das Kontext-Vakuum, in dem Konsum stattfindet – ohne Wissen, ohne Grenzen, ohne Auffangnetz. Wer mehr über die pharmakologischen Grundlagen und den verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis verstehen will, dem helfen Ressourcen wie die WHO-Dokumentation zu Cannabis und psychischer Gesundheit weiter.

Für alle, die selbst mit Angststörungen kämpfen und Cannabis als Teil ihres Lebens integrieren wollen – ob medizinisch oder recreational – lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen rund um Telemedizin und Cannabis-Legalisierung in Deutschland. Die Regulierung schreitet voran, und damit auch die Möglichkeit, informiert und sicher zu konsumieren statt blind und riskant.

Flers Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sie ist ein Kapitel in einer größeren Erzählung über Männer, die in der Härte der Straße und der Härte des Mikrofons aufgewachsen sind – und irgendwann lernen müssen, dass der eigene Körper und Geist keine Kulisse sind, sondern die einzige Bühne, die wirklich zählt. Mehr Geschichten wie diese findest du im Promis-Channel auf cannabisdoku.de.


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