Wenn Giwar Hajabi – besser bekannt als XATAR – über Cannabis spricht, dann nicht mit dem Zungenschlag eines Lifestyle-Influencers, der gerade seine erste Züchtung entdeckt hat. Der Dortmunder Rapper, Produzent und Unternehmer kennt die Straße, kennt den Knast, kennt Verluste, die kein Mensch freiwillig macht – und er kennt die Pflanze seit Jahrzehnten auf eine Art, die tiefer geht als der durchschnittliche Hotbox-Chat. Im aktuellen Interview auf cannabisdoku.de spricht XATAR über einen Cannabis-Deal, der ihn beschäftigt, über den geplanten Film zu seinem legendären Goldraub, über seine klare Ansage an aufstrebende Newcomer und über seine Geschichte mit Schwesta Ewa und der Sorte G'lato. Kein Small Talk, kein PR-Gelaber – nur reines Terrain.
XATAR und Cannabis: Mehr als Kulisse, mehr als Klischee
Die Pflanze als Teil einer Biografie
Es gibt Rapper, für die Cannabis die Requisite ist – das Blunt-Bild im Instagram-Feed, der Smokey-Filter vor dem Merch-Drop. Und dann gibt es Künstler wie XATAR, bei denen die Pflanze tief in die Lebensgeschichte eingewoben ist, ohne je zur Hauptrolle zu werden. Für jemanden, der wegen bewaffneten Raubüberfalls auf einen Goldtransport Jahre in Haft saß, der im irakischen Gefängnis unter menschenfeindlichen Bedingungen überlebt hat, ordnet sich Cannabis anders ein: als Stabilisator, als soziales Bindeglied, als Teil einer Subkultur, die ihn schon als Teenager in Dortmund geprägt hat.
Im Gespräch macht XATAR deutlich, dass er Cannabis nie romantisiert, aber auch nicht pathologisiert. Er beschreibt den Konsum als bewusstes Werkzeug – ähnlich wie viele seiner Peers im deutschen Rap, von Greeen, der im Hotbox-Interview über seine Cannabis-Philosophie sprach, bis zu King Khalil, der Cannabis als festen Teil seiner kreativen Routine bezeichnet. XATAR geht dabei einen Schritt weiter: Er denkt in Businesskategorien.
Der Cannabis-Deal: Zwischen Legalität und Logik
Der konkrete Cannabis-Deal, den XATAR im Interview anspricht, bewegt sich im Rahmen der neuen rechtlichen Realität in Deutschland. Seit der Teillegalisierung ist der Markt in Bewegung – Clubs entstehen, Lizenzfragen werden diskutiert, und kluge Köpfe aus der Szene positionieren sich früh. XATAR beschreibt ein Projekt, das nicht nur seinen Namen als Brand nutzen will, sondern echte Kontrolle über Qualität und Herkunft anstrebt.
Das ist kein Zufall. Wer jahrelang im Schwarzmarkt sozialisiert wurde – nicht zwingend als Täter, aber als Beobachter und Betroffener – weiß, was Qualitätskontrolle bedeutet und was ihr Fehlen anrichtet. Die Sorte G'lato, die XATAR im Interview mehrfach erwähnt, ist dabei kein beliebiger Name-Drop. G'lato – eine Kreuzung aus Gelato-Linien, meist mit THC-Gehalten zwischen 22 und 28 Prozent – steht für das obere Regal des Cali-Weed-Hypes, der die deutsche Szene in den letzten Jahren überrollt hat. Wer wissen will, warum dieser Hype so stark ist, findet im Test zu hochgezüchtetem Gras und Cali-Sorten eine solide Analyse.
"Ich rauche nicht einfach irgendwas. Ich will wissen, was drin ist, wer es angebaut hat und warum. Das ist kein Hobby – das ist Respekt gegenüber der Pflanze und gegenüber dir selbst."
— XATAR im cannabisdoku.de-Interview
Was G'lato pharmakologisch macht
Die Faszination für Hochleistungssorten wie G'lato ist nicht rein ästhetisch. THC bindet primär an CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem – zuständig für Euphorie, veränderte Zeitwahrnehmung, kognitive Verschiebungen und in hohen Dosen für Angst und Paranoia. CB2-Rezeptoren, stärker im Immunsystem verankert, spielen bei entzündungshemmenden Effekten die zentrale Rolle. Sorten mit 25+ Prozent THC aktivieren diese Kaskade mit einer Intensität, die Einsteiger überfordern kann, erfahrene Konsumenten aber gezielt nutzen. Das Terpenprofil von G'lato – typischerweise dominiert von Limonen, Caryophyllen und Myrcen – verstärkt dabei die sedierende und stimmungsaufhellende Wirkung durch den sogenannten Entourage-Effekt, der in der Forschung zunehmend anerkannt wird.
| Merkmal | G'lato (typisch) | Klassisches EU-Weed |
|---|---|---|
| THC-Gehalt | 22–28 % | 8–16 % |
| CBD-Gehalt | < 0,5 % | 0,3–2 % |
| Dominante Terpene | Limonen, Caryophyllen, Myrcen | Myrcen, Pinen, Humulen |
| Effekt | Euphorisch, sedierend, intensiv | Ausgeglichen, milder Körpereffekt |
| Preis (DE, grau) | 12–20 € / g | 6–10 € / g |
Der Goldraub-Film, Schwesta Ewa und das Erbe der Straße
Ein Film, der länger wartet als mancher Knastaufenthalt
Der geplante Film über XATARs Goldraub – einen bewaffneten Überfall auf einen Goldtransport in Köln, für den er verurteilt wurde – ist kein neues Thema, aber eines, das im Interview wieder Fahrt aufnimmt. XATAR spricht mit einer Mischung aus Ungeduld und strategischem Kalkül darüber. Das Projekt sei real, die Verhandlungen liefen, aber er werde keinen Murks akzeptieren, nur damit schnell etwas auf einem Streamingdienst landet. Wer seine Autobiografie Alles oder Nix gelesen hat, ahnt warum: Die Geschichte ist zu komplex, zu persönlich und zu politisch, um sie in ein generisches Crime-Drama zu pressen.
Dass Cannabis in dieser Geschichte eine Nebenrolle spielt, ist bezeichnend. Die Kultur, in der er aufgewachsen ist, trennt nicht sauber zwischen Musik, Drogen, Straßenleben und Identität. Diese Verwebung ist es, die seine Authentizität ausmacht – und die ihn von vielen Rappern unterscheidet, die Cannabis als Imagebestandteil nutzen, ohne die echten Konsequenzen eines Lebens im Graubereich zu kennen. Der Blick auf den Schwarzmarkt und den digitalen Drogenhandel über Instagram zeigt, wie naiv viele jüngere Konsumenten die Realität einschätzen.
Schwesta Ewa: Respekt ohne Schonkost
Die Erwähnung von Schwesta Ewa im Interview überrascht zunächst, ergibt aber schnell Sinn. Beide teilen eine Biografie, in der Härte keine Metapher ist, sondern gelebte Realität. XATAR äußert sich mit echtem Respekt über sie – nicht mit der herablassenden Bewunderung, die Frauen in der Rap-Szene oft zuteilwird, sondern mit der Nüchternheit eines Menschen, der Ähnliches durchlebt hat. Cannabis taucht auch hier als Kontextmarker auf: In einer Szene, die von patriarchalischen Strukturen durchzogen ist, war und ist die Pflanze für manche ein neutrales Terrain, auf dem andere Regeln gelten.
Schwestaewa ist auch ein Beispiel dafür, wie persönliche Geschichten und öffentliche Wahrnehmung im deutschen Rap kollidieren. XATAR navigiert diese Dynamik bewusst – er weiß, dass jedes öffentliche Statement seine Marke berührt, die weit über Musik hinausgeht: Brrr-Label, Döner-Kette, Modeprojekte. Cannabis als Teil seiner öffentlichen Identität ist da keine Bürde, sondern ein Signal an eine Community, die Ehrlichkeit über Polishing stellt.
Was der Schwarzmarkt lehrt, was der legale Markt lernen muss
XATARs Perspektive auf den entstehenden legalen Cannabis-Markt ist geprägt von jemandem, der Märkte von unten kennt. Er beschreibt, wie im Schwarzmarkt Qualitätsunterschiede sofort bestraft wurden – schlechtes Produkt führte zu Reputationsverlust, kein Rechtsanwalt konnte das kompensieren. Der legale Markt hingegen tendiert dazu, Qualität hinter Compliance zu verstecken. Zertifikate ersetzen Geschmack, Laborwerte ersetzen Erfahrung. Das sei, so XATAR sinngemäß, eine Gefahr für echte Konsumenten.
Damit trifft er einen Nerv, den auch Wissenschaftler und Regulierungsbehörden wie die EMCDDA (Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht) beschäftigt: Wie reguliert man Qualität bei einer Pflanze, deren Wirkstoffprofil von Genetik, Anbaubedingungen, Temperatur beim Trocknen (idealerweise unter 21 °C, Luftfeuchtigkeit 55–62 %) und Lagerung abhängt? Eine Antwort hat die Politik noch nicht.
Ansage an Newcomer: Warum XATAR kein Mentor-Programm braucht
Die Botschaft ist klar – und sie ist keine Einladung
Wenn XATAR Newcomer adressiert, dann nicht mit dem warmen Ton eines Elder Statesmen, der die nächste Generation umarmt. Die Botschaft ist schärfer: Wer in diesem Game – Musik, Business, Cannabis-Kultur – wirklich bestehen will, muss Substanz mitbringen. Nicht Features von etablierten Namen, nicht kurzfristige Hypes, nicht das Imitieren von Ästhetiken, die aus Los Angeles importiert wurden und in Dortmund-Dorstfeld nichts bedeuten.
Diese Haltung ist nicht neu in der deutschen Rap-Szene, aber XATAR verleiht ihr ein besonderes Gewicht, weil er sie mit echten Konsequenzen unterlegt hat. Er hat für seine Fehler bezahlt – mit Jahren hinter Gittern, mit Beziehungen, die zerbrochen sind, mit einer Öffentlichkeit, die ihn jahrelang als Verbrecher abstempelte, bevor die Musikwelt ihn als Ausnahmetalent anerkannte. Diese Erfahrung macht seine Kritik an Schnellschuss-Karrieren glaubwürdig, auch wenn sie bisweilen ruppig klingt.
"Der Markt sortiert das aus. Wer keine Substanz hat, ist in zwei Jahren weg. Cannabis, Musik, Business – überall dasselbe Prinzip."
— XATAR im cannabisdoku.de-Interview
Cannabis-Kultur als Echtheitsbarometer
Im deutschen Hip-Hop hat Cannabis eine eigene Funktion als Authentizitätsmarker entwickelt. Wer offen über die Pflanze spricht, signalisiert Zugehörigkeit zu einer Gegenkultur, die staatliche Kontrolle über Körper und Substanzen ablehnt. Das ist politisch, ob man es will oder nicht. Dass Interviews wie das mit XATAR, aber auch Gespräche mit T-Low über Cannabis und Hip-Hop-Kultur oder Aylo über seine persönliche Cannabis-Kultur so viel Resonanz finden, liegt genau hier: Sie sprechen über etwas, das in der Mainstreamkommunikation noch immer tabuisiert oder zumindest infantilisiert wird.
Gleichzeitig warnt XATAR implizit vor der Romantisierung. Cannabis ist kein Freifahrtschein, kein Kreativitäts-Autopilot und kein Ersatz für echte Arbeit. Forschung des National Center for Biotechnology Information (NCBI) zeigt, dass chronischer hochdosierter Konsum – mehr als 3–4 Inhalationen täglich über Jahre – messbare Effekte auf das episodische Gedächtnis und exekutive Funktionen haben kann, auch wenn diese bei Konsumpausen oft reversibel sind. Wer das ignoriert, ist kein Rebell, sondern schlicht uninformiert.
Was junge Konsumenten von XATAR lernen können
Ganz konkret destilliert das Interview einige Punkte, die weit über die Cannabis-Bubble hinaus gelten – für alle, die in einem Markt bestehen wollen, der sich gerade neu aufstellt:
- ✓Qualität vor Quantität – ob bei Musik, Cannabis oder Businesskontakten
- ✓Herkunft kennen: Wer das Produkt angebaut hat, unter welchen Bedingungen und mit welcher Genetik
- ✓Konsum bewusst gestalten: Keine Dauerhotbox als Ersatz für Entscheidungen
- ✓Den eigenen Weg gehen, nicht den Instagram-Feed von jemand anderem kopieren
- ✓Rechtliche Realität verstehen – die Teillegalisierung schützt nicht vor jedem Risiko, informiere dich beim BfArM
Wer verstehen will, wie Cannabis im deutschen Hip-Hop funktioniert – nicht als Poster, sondern als gelebte Realität – kommt an Gesprächen wie diesem nicht vorbei. XATAR ist kein Influencer, der Produkte platziert. Er ist ein Mann, der Konsequenzen kennt. Und genau das macht seine Aussagen so wertvoll. Mehr solche Stimmen gibt es im Zum Interview-Channel auf cannabisdoku.de.
Den breiteren Kontext – wie Cannabis und Hip-Hop zusammenwirken und welche wirtschaftlichen Kräfte den Markt formen – beleuchtet auch die Doku über Big Business und den grünen Rausch der Cannabis-Industrie. Wer verstehen will, wohin der Zug fährt, sollte diese Perspektive kennen.
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