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Klaas enttarnt bekiffte Mitarbeiter – Late Night Berlin
5. Mai 2026

Wer kifft heimlich? Klaas enttarnt bekiffte Mitarbeiter bei Late Night Berlin

8 Min. Lesezeit
Inhalt

Klaas Heufer-Umlauf schnappt sich ein Stimmungsbarometer, eine Wärmebildkamera und sein untrügliches Instinkt-Radar – und geht auf Jagd. Nicht nach Terroristen, nicht nach Steuersündern. Er will wissen: Wer im Team von Late Night Berlin ist gerade bekifft? Das Ergebnis ist so ehrlich wie entlarvend, so komisch wie gesellschaftlich brisant. Und es zeigt, was längst alle wissen, aber niemand laut sagen will: Cannabis ist mitten in der Arbeitswelt angekommen.

Das Segment – Klaas als Cannabis-Ermittler

Was genau passiert in dieser Szene?

In einer der beliebtesten Rubriken von Late Night Berlin auf ProSieben dreht Klaas den Spieß um. Normalerweise ist er der Moderator, der die Kontrolle behält – cool, pointiert, leicht überheblich auf die charmanteste Art. Diesmal jedoch wird er zum Detektiv und befragt seine eigenen Mitarbeiter:innen nach deren aktuellem Zustand. Die Prämisse ist simpel: Wer von euch ist gerade high? Wer hat heute Morgen oder über Mittag gekifft?

Die Reaktionen der Beteiligten reichen von nervösem Kichern über gespielter Empörung bis hin zu erstaunlich offenem Bekenntnis. Genau das ist der Kern des Segments: Es ist kein Verhör, es ist ein Spiegel. Ein Spiegel für eine Gesellschaft, in der Cannabis-Konsum unter Erwachsenen längst normalisiert ist – in Büros, Kreativagenturen, Produktionsfirmen und eben auch in TV-Studios.

Die Methoden – wie erkennt man Bekiffte wirklich?

Klaas setzt dabei auf klassische Alltagsbeobachtung: gerötete Augen, verlangsamte Sprache, übermäßiges Lachen, fehlende Konzentration. Das deckt sich tatsächlich mit dem, was die Wissenschaft über den akuten THC-Rausch weiß. Tetrahydrocannabinol – kurz THC – bindet an CB1-Rezeptoren im Gehirn, vor allem im präfrontalen Cortex, im limbischen System und in den Basalganglien. Das führt zu verringerter Impulskontrolle, veränderter Zeitwahrnehmung, gesteigerter Assoziation und manchmal unkontrollierbarem Lachen.

Physiologisch sichtbar wird das durch Vasodilatation – die Blutgefäße weiten sich, die Augen röten sich. Die Herzfrequenz steigt um 20 bis 50 Schläge pro Minute an. Die Pupillenreaktion bleibt dabei anders als bei Opiaten weitgehend unauffällig. Ein Wärmebildgerät, wie es Klaas im Segment andeutet, würde theoretisch die erhöhte Hautdurchblutung anzeigen. Scherzformat? Ja. Aber wissenschaftlich gar nicht so weit daneben.

"THC verändert nicht nur die Stimmung – es verändert die Art, wie Menschen Sprache verarbeiten, Zeit erleben und auf soziale Signale reagieren. Das ist mit bloßem Auge schwerer zu erkennen als viele denken."

Warum das Segment mehr als Unterhaltung ist

Late Night Berlin ist nicht Tagesschau. Aber die besten Late-Night-Momente haben immer eine gesellschaftliche Doppelbödigkeit. Wenn Klaas bekiffte Mitarbeiter:innen "enttarnt", dann stellt er implizit eine ernsthafte Frage: Wie gehen wir eigentlich mit Cannabis im Arbeitsumfeld um? Wer darf, wer darf nicht? Und warum reden wir in Deutschland nicht offener darüber?

Die Antwort liegt zum Teil in einer jahrzehntelangen Kriminalisierungspolitik, die Cannabis in die Illegalität und damit in die Verborgenheit gedrängt hat. Seit der Teil-Legalisierung in Deutschland – Eigenanbau bis zu drei Pflanzen, Besitz bis zu 25 Gramm in der Öffentlichkeit – beginnt sich das zu ändern. Offen über Konsum zu reden, auch am Arbeitsplatz, wird langsam gesellschaftsfähig. Das Klaas-Segment trifft genau diesen Nerv.

Cannabis im Berufsalltag – Realität, Zahlen, Einordnung

Wie verbreitet ist Konsum unter Berufstätigen wirklich?

Zahlen der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) zeigen, dass Cannabis in Europa die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Substanz ist – weit vor Kokain und Ecstasy. In Deutschland gaben laut Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rund 34 Prozent aller Erwachsenen an, zumindest einmal Cannabis konsumiert zu haben. Aktive Konsument:innen – also Menschen, die regelmäßig oder gelegentlich kiffen – sind in allen Berufsfeldern zu finden: in der IT-Branche, in der Kreativwirtschaft, im Journalismus, in der Gastronomie.

Besonders in Branchen mit hohem kreativem Druck, unregelmäßigen Arbeitszeiten und wenig klassischer Hierarchie – Medien, Design, Musik, Film – ist der Konsum erfahrungsgemäß überdurchschnittlich verbreitet. Das macht ein TV-Studio wie das von Late Night Berlin zu einem ziemlich realistischen Abbild dieser Realität.

Berufsfeld Geschätzte Konsumhäufigkeit (gelegentlich bis regelmäßig) Typisches Muster
Kreativwirtschaft / Medien Sehr hoch (anekdotisch ~40–50 %) Abends, Wochenende, selten arbeitsbegleitend
IT / Tech Hoch (~30–40 %) Remote-Arbeit begünstigt Konsum tagsüber
Gastronomie / Service Hoch (~35 %) Nach Schichtende, Stressabbau
Handwerk / Produktion Mittel (~20 %) Wochenende, klare Trennung zur Arbeit
Gesundheitswesen Gering (~10–15 %) Strenge Eigenkontrollen, Haftungsrisiko

High bei der Arbeit – wann wird es problematisch?

Hier lohnt die Differenzierung. Der akute THC-Rausch bei einer Konzentration von etwa 10 bis 30 mg THC (je nach Toleranz und Konsumart) dauert beim Rauchen zwei bis vier Stunden, bei Edibles vier bis acht Stunden. Wer also abends kifft, ist am nächsten Morgen in der Regel nicht mehr akut beeinträchtigt. Metabolisch wird THC im Körper über THCCOOH gespeichert und ist im Urin noch Wochen nachweisbar – das sagt aber nichts über akute Beeinträchtigung aus.

Wirklich problematisch wird Konsum dort, wo feinmotorische Präzision, Reaktionsvermögen oder komplexe Entscheidungsprozesse gefragt sind: im Straßenverkehr, in der Chirurgie, im Maschinenbetrieb. Für einen Redakteur, der Texte prüft, oder einen Kameramann, der Einstellungen wählt – da ist die Sachlage nuancierter. Studien aus PubMed zeigen, dass kreative Assoziationsleistungen unter leichtem THC-Einfluss bei manchen Probanden sogar kurzfristig zunehmen können, während exekutive Funktionen leiden.

Was sagt die Rechtslage in Deutschland?

Seit der Teillegalisierung in Deutschland gilt: Der Konsum von Cannabis am Arbeitsplatz ist – wie Alkohol – grundsätzlich nicht strafbar, aber arbeitsrechtlich je nach Vertrag und Tätigkeit untersagt. Arbeitgeber:innen können in Arbeitsverträgen Cannabis-freie Arbeitszeit festschreiben. Wer unter dem Einfluss von Cannabis einen Arbeitsunfall verursacht, riskiert den Verlust von Versicherungsansprüchen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) regelt zudem strikt, wer medizinisches Cannabis legal erhalten und konsumieren darf.

Für die meisten Konsument:innen heißt das in der Praxis: Cannabis gehört in die Freizeit. Nicht weil es pauschal gefährlich ist, sondern weil die gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen – noch – keine andere Lösung erlauben. Eine offene Diskussion über Cannabis und Arbeitsleistung, wie sie Klaas auf humorvolle Art anstößt, ist deshalb dringend nötig.

Mehr zu dieser gesellschaftlichen Debatte findest du in unserem Beitrag Wir müssen über Weed reden – die große Cannabis-Diskussion.

Late Night, Cannabis und die Normalisierung in der Popkultur

Wie Late Night Cannabis salonfähig macht

Klaas ist nicht der erste Moderator, der Cannabis in ein Late-Night-Format einbaut. In den USA hat das Subgenre der Cannabis-freundlichen Comedyformate eine lange Tradition – von Cheech & Chong über Workaholics bis hin zu expliziten Cannabis-Aussagen in den Monologen von Comedians. In Deutschland war das lange tabu. Die Verschiebung, die wir in Formaten wie Late Night Berlin, aber auch in Satire-Sendungen wie der Heute Show beobachten, ist kein Zufall. Sie reflektiert eine veränderte gesellschaftliche Haltung, besonders bei unter 40-Jährigen.

Das Klaas-Segment funktioniert genau deshalb: weil das Publikum längst weiß, dass Cannabis in deutschen Büros existiert. Die Reaktion ist kein Schock mehr – sie ist Wiedererkennung.

Cannabis-Konsum offen ansprechen – Tipps für Konsument:innen im Berufsalltag

Was das Segment über unsere Cannabis-Kultur verrät

Das Witzige an Klaas' Entlarvungs-Segment ist: Es entlarvt eigentlich nicht die Mitarbeiter:innen. Es entlarvt die Heuchelei. Jahrzehntelang wurde Cannabis als gesellschaftliches Randphänomen behandelt, als Problem von Versagern oder Kriminellen. Wer wissen will, wie das Stigma historisch entstanden ist, findet eine fundierte Einordnung in unserer Betrachtung zur Cannabis-Weltgeschichte mit Harald Lesch.

Klaas zeigt in drei Minuten Fernsehen, was Dokumentationen in 90 Minuten oft nicht schaffen: Cannabis-Konsument:innen sind keine Ausnahme. Sie sind Kolleg:innen, Freunde, Kreative – und ganz normale Menschen. Wer tiefer in die Schattenseiten des unregulierten Schwarzmarkts eintauchen will, sollte sich außerdem unsere Dokumentationsrecherche zur Weed-Mafia und dem Cannabis-Schwarzmarkt ansehen.

Und wenn du wissen willst, was eigentlich hinter dem Selbstversuch im deutschen Fernsehen steckt – was THC mit einem Körper wirklich macht, wenn man es wissenschaftlich betrachtet – dann ist das Jenke-Experiment über Cannabis und Abhängigkeit ein Pflichtartikel.

Das Klaas-Segment ist letztlich ein Kulturkommentar. Ein gut gemachter, lustiger – und deshalb umso wirksamerer. Late Night Berlin tut das, was guter Humor immer tut: Es spricht aus, was alle denken, aber keiner sagt. Cannabis ist da. Es ist im Büro. Es ist in der Kreativwirtschaft. Und es wird Zeit, dass wir als Gesellschaft lernen, damit erwachsen umzugehen – statt so zu tun, als wäre es das dunkle Geheimnis ein paar Weniger.

Mehr Inhalte zu Cannabis-Reisen, Coffeeshops und Sortenkultur findest du in unserem Zum reisen-Channel.


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