Marcel Thomas Eris, besser bekannt als MontanaBlack, ist einer der größten deutschen Streamer und Content-Creator – ein Mann, der Millionen von Abonnenten hat, offen über seine dunkelsten Kapitel spricht und dabei keine Beschönigung kennt. Drogen, Sucht, Entzug, Rückfall, Wiederaufstieg. Seine Geschichte liest sich nicht wie ein Motivationsposter, sondern wie ein ehrlicher Bericht aus dem Inneren einer Abhängigkeit – und Cannabis spielt darin eine komplexe, vielschichtige Rolle, die weit über das übliche „Ich hab mal gerauff" hinausgeht.
Von Buxtehude in den Abgrund: MontanaBlacks Drogengeschichte
Der Einstieg – Cannabis als erstes Kapitel
Für MontanaBlack begann es wie für viele: mit Alkohol und Cannabis im Jugendalter. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Buxtehude auf, einem kleinen Städtchen südlich von Hamburg. Das soziale Umfeld, fehlende Perspektiven und eine früh einsetzende Auseinandersetzung mit illegalen Substanzen formten einen Weg, der ihn schließlich in die härtesten Ecken der Drogenabhängigkeit führen sollte. Cannabis war dabei nicht der Endpunkt – es war der Anfang eines Weges, der über Crystal Meth bis hin zu einem mehrfachen Klinikaufenthalt führte.
Was MontanaBlack in verschiedenen Interviews und auf seinem YouTube-Kanal immer wieder betont: Cannabis selbst war für ihn keine Substanz, die er als das Hauptproblem betrachtete. Sein eigentlicher Feind war das Crystal Meth – eine Droge, die ihn körperlich und psychisch vollständig zerstörte. Dennoch ist sein Umgang mit Cannabis, seine Haltung dazu und seine öffentlichen Aussagen zu Drogen im Allgemeinen Teil einer größeren Debatte, die in der deutschen Cannabis-Community laut geführt wird.
Crystal Meth und der totale Kollaps
MontanaBlack hat in mehreren Formaten – darunter ein vielbeachtetes Interview mit Y-Kollektiv – beschrieben, wie er auf dem Höhepunkt seiner Sucht bis zu 3 Gramm Crystal Meth täglich konsumierte. Methamphetamin bindet im Gehirn massiv an Dopaminrezeptoren und löst eine Ausschüttung aus, die bis zu 1.000 Mal intensiver sein kann als das natürliche Belohnungssystem erlaubt. Die Folgen: Psychosen, Paranoia, körperlicher Verfall, totale soziale Isolation.
"Ich hab damals gedacht, ich bin der einzige Mensch auf der Welt, dem es so geht. Du sitzt da, 3 Uhr nachts, zitterst, willst nicht mehr – und trotzdem greifst du zur nächsten Line. Das ist Sucht." – MontanaBlack
Er besuchte mehrfach stationäre Entzugskliniken, erlitt Rückfälle und musste lernen, dass Sucht kein Charakterfehler ist, sondern eine Erkrankung des zentralen Nervensystems. Neurobiologisch gesehen führt chronischer Methamphetamin-Konsum zu einer dauerhaften Dysregulation des dopaminergen Systems, besonders im Nucleus accumbens – dem Belohnungszentrum des Gehirns. Die Regeneration dieser Strukturen kann Jahre dauern, in manchen Fällen bleibt ein Teil des Schadens permanent.
Der Vergleich: Cannabis vs. harte Drogen aus MontanaBlacks Perspektive
Was MontanaBlack in seinen öffentlichen Aussagen zu Cannabis sagt, ist differenziert – und das ist bemerkenswert für jemanden, der aus einer Suchtgeschichte kommt. Er verurteilt Cannabis nicht pauschal. Er warnt aber davor, den Einstieg in Substanzen zu verharmlosen, weil er aus eigener Erfahrung weiß, wie fließend Grenzen sein können. Dabei gilt: Cannabis wirkt über das Endocannabinoid-System – über CB1- und CB2-Rezeptoren – und hat ein pharmakologisch grundlegend anderes Profil als Stimulanzien wie Methamphetamin. Es gibt keine dokumentierten Todesfälle durch Cannabis-Überdosierung. Das Abhängigkeitspotenzial ist real, aber deutlich geringer.
Ähnlich offen über Cannabis und Sucht sprach auch Sido in seinem Interview über Kokain, Scheidung und Therapie – ein weiterer Blick aus der deutschen Rap- und Entertainment-Welt auf die komplexe Beziehung zwischen Substanzen und Persönlichkeit.
MontanaBlack, Cannabis und die öffentliche Debatte
Seine Position zur Cannabis-Legalisierung
In der Diskussion rund um die Cannabis-Legalisierung in Deutschland – die nach jahrelangen politischen Debatten schrittweise Realität wurde – hat sich MontanaBlack nie weggeduckt. Er hat öffentlich betont, dass er die Entkriminalisierung für sinnvoll hält, insbesondere aus Jugendschutz-Perspektive. Sein Argument: Wer Cannabis legal und kontrolliert kaufen kann, braucht keinen Dealer – und ein Dealer verkauft eben nicht nur Cannabis. Das ist kein naiver Gedanke, sondern eine Position, die auch die EMCDDA (Europäische Beobachtungsstelle für Drogen) in verschiedenen Berichten zur Risikominimierung anerkannt hat.
Dass diese Debatte auch in der deutschen Hip-Hop-Szene angekommen ist, zeigt sich deutlich – von Sidos Gespräch mit Karl Lauterbach über Cannabis-Legalisierung bis hin zu den Projekten, die Künstler wie Massiv mit seiner Growmotion-Cannabis-Anlage in Gang gesetzt haben.
Cannabis im Kontext von Streaming und Gaming-Kultur
MontanaBlack ist kein Rapper – aber er bewegt sich in Kreisen, die stark mit der deutschen Hip-Hop-Kultur vernetzt sind. Auf Twitch und YouTube hat er mehrfach über den Konsum von Cannabis unter Gamern gesprochen. In der Streaming-Community ist Cannabis ein offenes Thema. Viele Content-Creator konsumieren, sprechen aber nicht darüber, aus Angst vor Demonetarisierung oder Plattform-Sanktionen. MontanaBlack hat hier eine andere Linie gefahren – Transparenz, auch wenn es unbequem wird.
Gleichzeitig warnt er explizit davor, Konsum zu romantisieren. Gerade in seiner Zielgruppe – Teenager und junge Erwachsene – weiß er, welche Wirkung seine Worte haben. Das unterscheidet ihn von manchen Rappern, die Cannabis in jedem zweiten Track als unkomplizierten Lifestyle verkaufen. Auch Fler hat in einem Interview offen über Drogenkonsum und Panikattacken gesprochen – eine ähnliche Ehrlichkeit, die in der Szene selten ist.
Suchtmechanismen verstehen – was die Wissenschaft sagt
Um MontanaBlacks Geschichte wirklich einordnen zu können, lohnt ein kurzer neurobiologischer Blick. Das Endocannabinoid-System, über das Cannabis wirkt, ist eines der ältesten Regulationssysteme im menschlichen Körper. CB1-Rezeptoren sitzen vor allem im Zentralnervensystem – im Hippocampus, in der Amygdala, im präfrontalen Kortex. CB2-Rezeptoren sind stärker im Immunsystem verankert. THC, der psychoaktive Hauptwirkstoff, bindet partiell an CB1 und löst unter anderem Dopaminausschüttung aus – aber in einem Maßstab, der mit Methamphetamin schlicht nicht vergleichbar ist.
Laut einer Studie im Journal of Psychopharmacology (PubMed) entwickeln etwa 9 Prozent der Cannabis-Konsumenten eine klinisch relevante Abhängigkeit. Bei Methamphetamin liegt diese Rate bei über 15 bis 20 Prozent, bei regelmäßigem Heroin-Konsum noch deutlich höher. Das bedeutet: Cannabis ist nicht harmlos – aber es ist pharmakologisch in einer anderen Liga als die Substanzen, die MontanaBlacks Leben beinahe zerstört hätten.
| Substanz | Abhängigkeitsrate | Primäres Neuronen-System | Entzugsrisiko |
|---|---|---|---|
| Cannabis (THC) | ca. 9 % | Endocannabinoid-System (CB1/CB2) | Mittel (psychisch) |
| Alkohol | ca. 15 % | GABA / Glutamat | Hoch (körperlich, lebensbedrohlich) |
| Methamphetamin | ca. 15–20 % | Dopamin / Noradrenalin | Sehr hoch (psychisch, Psychosen) |
| Heroin | ca. 23 % | Opioid-Rezeptoren (µ) | Sehr hoch (körperlich & psychisch) |
Was wir aus MontanaBlacks Geschichte mitnehmen können
Sucht als gesellschaftliches Thema – nicht als persönliches Versagen
MontanaBlacks größte Leistung liegt nicht im Streaming. Es liegt darin, dass er einem Publikum, das sonst kaum über Sucht redet, das Thema zugänglich gemacht hat – ohne Pathos, ohne Selbstmitleid, mit echter Konsequenz. Er hat gezeigt: Sucht trifft keine bestimmte Schicht, keine bestimmte Intelligenz, kein bestimmtes Milieu. Sie trifft Menschen. Punkt.
Für die Cannabis-Community bedeutet das: Wer offen über Konsum spricht, trägt Verantwortung. Auch Kool Savas hat in einem Interview über seine Ängste und seinen Umgang mit Kiffen gesprochen – ein weiteres Beispiel dafür, dass echte Ehrlichkeit in dieser Szene mehr bewegt als jede Werbekampagne.
Medizinisches Cannabis und Suchttherapie – eine unterschätzte Verbindung
Was viele nicht wissen: Cannabis wird in der modernen Suchtmedizin zunehmend als unterstützendes Mittel diskutiert – nicht als Allheilmittel, aber als Teil eines breiteren therapeutischen Ansatzes. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat in den vergangenen Jahren den regulatorischen Rahmen für medizinisches Cannabis in Deutschland erheblich ausgebaut. CBD – das nicht-psychoaktive Cannabinoid – zeigt in Tiermodellen und frühen klinischen Studien anxiolytische und suchtmodulierend Eigenschaften, insbesondere in Bezug auf die Rückfallprävention bei Opioid- und Stimulanzien-Abhängigkeit.
Für MontanaBlack selbst war Cannabis nie Teil eines medizinischen Konzepts. Aber seine Geschichte öffnet die Tür zu einer wichtigen Frage: Wie gehen wir als Gesellschaft mit Menschen um, die Drogen nicht als Lifestyle-Entscheidung, sondern als Fluchtmechanismus aus Trauma, Armut und sozialer Isolation genutzt haben? Wie Enemy in einem Baked-Interview über medizinisches Cannabis sagte: Die Rapszene hat immer schon gewusst, was die Politik erst jetzt langsam akzeptiert.
Was Konsumenten aus diesem Interview lernen können
MontanaBlacks ehrlichste Botschaft ist keine Warnung und keine Werbung – es ist eine Einladung zur Selbstreflexion. Wer konsumiert, sollte sich fragen: Konsumiere ich, weil ich Freude daran habe – oder weil ich etwas betäube? Das ist kein moralisierendes Urteil. Es ist ein nützlicher innerer Kompass.
- ✓Konsummotive regelmäßig hinterfragen: Genuss oder Flucht?
- ✓T-Breaks einbauen – mindestens 2 konsumfreie Tage pro Woche
- ✓THC-Gehalt beachten: Über 20 % THC erhöht das Psychoserisiko, besonders für Jugendliche
- ✓CBD als Ausgleich: CBD:THC-Verhältnisse von 1:1 reduzieren Angst und Paranoia
- ✓Bei Mischkonsum mit Alkohol oder anderen Substanzen: Risiko multipliziert sich
- ✓Professionelle Hilfe suchen, wenn Konsum Kontrolle übernimmt – ohne Scham
MontanaBlack hat öffentlich gemacht, was viele schweigend durchleben. Das allein ist ein Wert, der schwer zu beziffern ist. In einer Community, die Cannabis oft romantisiert und harte Drogen bagatellisiert, ist sein Zeugnis ein notwendiger Gegenpol – kein erhobener Zeigefinger, sondern eine echte Stimme aus dem Abgrund und zurück.
Weitere Perspektiven aus der internationalen Cannabis-Welt – darunter Künstler, die offen über ihren Konsum sprechen – findest du zum Beispiel im King Khalil Hotbox-Interview oder beim Blick auf die legendären Sessions mit GReeeN im Hotbox-Format. Und wenn du verstehen willst, wie internationale Stars wie Wiz Khalifa beim Lügendetektortest über Cannabis reden, siehst du schnell: Ehrlichkeit ist international.
Alle weiteren Artikel über deutsche Promis, ihre Cannabis-Verbindungen und ehrliche Interviews findest du im Zum promis-Channel.